Opioid Saga

Produkt-Blog

Blick hinter die 

Kulissen

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Geschätzte Leserin, wohlgesinnter Leser, liebe Meditrickser,

Dieser Comic ist ein Herzensprojekt, wie so vieles bei uns. Entsprechend teilen wir hier unsere Begeisterung für die Thematik Comic. Wir erläutern besondere Aspekte des Comic-Formats und geben einen Blick hinter die Kulissen, in die Kreation der Opioid Saga – in Form eines fiktiven Interviews. Wir beleuchten: Wie entstand das Projekt? Welche Fallstricke gab es? Was ist speziell bei den Zeichnungen, den Illustrationen, dem Layout und dem Geschichtenerzählen für einen Comic? Dabei haben wir das Löslichkeitsprodukt für einige Aspekte überschritten, diese Thematiken haben sich ganz einfach herauskristallisiert (wir wissen noch nicht, was wir mit diesen Kristallen anstellen – Allopurinol scheint nicht die Lösung). Die Aspekte? Erstens: Wir sind immer wieder gezwungen, Kompromisse einzugehen, zweitens: wie es ist, Inhalten beim Lernen und Vermitteln mehr Aufmerksamkeit zu schenken und letztens: was sind die Eigenheiten des Comics versus der (Achtung Wortwitz) Merkmale der von uns sonst produzierten Merkbilder. Auf geht's.

Viel Vergnügen beim Lesen!

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Projekt
Heldenstoff

Wie entstand die Idee und warum ausgerechnet die Opioide?

Die Opioid Saga ist Zufall, wie so einiges bei uns. Sie hat sich einfach ergeben. Aber sie war unausweichlich. Wie es dazu kam? Pharmakologie war gerade Schwerpunkt für die klinischen Meditricks – unter anderem mit dem Ziel ‘Die 100 wichtigsten Medikamente zur Behandlung von 90% aller Erkrankungen’ zusammenzutragen. Da dürfen die Opioide natürlich nicht fehlen. Die meisten Medikamente können wir einem Meditrick abbilden. Bei den Opioiden war das anders. Es gibt so viele davon: schwache Agonisten, starke, Narkotika, Antagonisten … es entstand ein Merkbild zu den klinischen Aspekten und natürlich noch die Frage, was man bei Überdosierung macht, wie man den Entzug therapiert oder die Sucht. Der Umfang wuchs schnell auf sieben Meditricks. Sieben zusammenhängende Bilder? Das ließe sich durch eine Geschichte verknüpfen!

 

Die Opioide waren dann initial grob als Geschichte über Opis geplant, das legt der Name nahe. Wie so viele Medikamente, eigentlich alle (außer vielleicht … nein, da fällt uns nichts ein) … wie so viele Medikamente besitzen Opioide positive wie negative Effekte. Aber bei den Opioiden ist es besonders dramatisch: Sie befreien Menschen von Schmerzen, bergen aber gleichzeitig ein Suchtpotential – das Gute versus das Böse, der klassische Stoff für eine Heldengeschichte. 

 

Die Verlockung, diesen Stoff auch als Comic zu realisieren, sie war einfach zu groß. 

Ein Thema, sieben Bilder

Was ist neu am Comic? Was ist besonders?

Natürlich überhaupt etwas als Comic zu realisieren. In diesem Format widmen wir den Bildern und der Geschichte mehr Aufmerksamkeit, als das normalerweise bei den Meditricks der Fall ist. Aufwand und Lernerfolg gilt es abzuwägen – das betrifft unser Tun und gilt auch für die Lernenden. Die Opioide sind nur ein Thema unter vielen, nur eines von zig Medikamenten. Es ist ein Experiment – wie ist das Lernen in dieser Form?

Das Erwachen der Helden

Was war am spannendsten?

Würde es gelingen, über sieben Bilder eine Geschichte zu erzählen, die sich für den Comic eignet? Die in sich schlüssig bleibt? Es war einfach schön, eine Geschichte über Helden zu erzählen, über das Dunkle in ihnen, über ihre innere Zerrissenheit, über Menschen in Not, über die Rettung durch einen kleinen, tapferen Hund. 

Ein Sprint durch die Welt des Comics

Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Alles in allem ging es erfreulich flott. Echte Comics von Profis brauchen wirklich viel Zeit: Die Kunstschaffenden schreiben den Plot, jedes Panel (das ist ein Einzelbild in einer Sequenz von Einzelbildern) wird geplant und illustriert. Das braucht pro Seite gut und gerne mal drei Tage – bei vierzig bis sechzig Seiten kommt da schnell ein Jahr zustande. Die sieben Merkbilder für die Opioide durchliefen unseren regulären Produktionszyklus: die Konzeption, Zeichnung und Illustration. Parallel zu den Zeichnungen planten wir bereits den Erzählstrang und begannen mit dem Layout, sobald die Illustrationen vorlagen. 

Die eigentliche Arbeit für Band 1 hat vier Monate gebraucht (parallel zu unserem sonstigen Treiben) … eigentlich. Denn: So ein Werk schießt nicht einfach eben mal so in die Höhe. Solche Projekte plant man irgendwie schon vorher, beschäftigt sich mit Aspekten wie der Materie Comic und dann kommt dieses Werk mit all seinen Einflüssen zustande. Wie so oft fußen auch hier diverse Leistungen auf bereits vorher getanen Schritten. Das Team bringt lauter verschiedene Erfahrungen – geplant oder nicht – in das Projekt ein.

Neue Wege

Was waren die wesentlichen Herausforderungen?

Wie führt ein Erzählstrang durch die an und für sich starren Bilder? Wie ziehen wir die Lesenden in den Bann der Geschichte und ihrer Bilder? Wie kann das Layout ein Comic sein, aber gleichzeitig ein Lernwerkzeug? Wie schaffen wir Abwechslung bei den Figuren, die im Merkblatt sonst immer gleich aussehen?

Comic

Die Macht der Panels

Warum ausgerechnet ein Comic?

Der Comic allgemein bietet unglaublich viele Stilmittel, birgt ein hohes emotionales Erleben, er betont einzelne Bildausschnitte, betont aber auch die Gesamtseite. Ganz eigen ist hier auch der Sprung von Sequenz zu Sequenz, von Panel zu Panel – und was dazwischen passiert, ergänzt die eigene Fantasie. Im Bezug auf die Meditricks erlaubt er das Weiterspinnen der Geschichte. 

Definitionssache

Was ist überhaupt Comic?

Will Eisner, eine Comic-Legende, beschreibt Comics als “sequentielle Kunst”. Die Erzählung einer Geschichte in Abfolge mehrerer Bilder, meist gezeichnet, kombiniert mit Text … das funktioniert vermutlich für die meisten von uns, reduziert den Comic aber – es ist ein unglaublich variables Format.

 

Inwiefern ähnelt sich Comics und Meditricks?

Der Comic arbeitet mit Übertreibungen, mit ikonographischen Elementen, d.h. mit Elementen, die auf grundlegende Erkennungsmerkmale reduziert sind (bspw. ein Strichmännchen). Er nutzt überzogene Objektmerkmale (bspw. das Kindchenschema zur Betonung von Emotionen der Charaktere) und der Comic spielt mit visuellen Stereotypen (Gut vs. Böse). Hier trifft ein Universum auf die Welt unserer Meditricks. Beide Welten arbeiten teils mit vergleichbaren Elementen. Unsere Meditricks nutzen Assoziationen und Analogien – im Idealfall sind diese möglichst einfach greifbar, für möglichst viele Leute. Dabei greifen wir ebenfalls oft auf archetypische Szenen zurück, Szenen, die uns aus unserem geteilten Erfahrungshorizont bekannt sind, aus den Medien, aus Märchen, aus unserer Alltagswelt. Was bedeutet das Geschwafel? Ein Beispiel aus dem Comic: Hund Nalo ist hier der Hund, der sich aufmacht, die Menschen zu retten. Das greift bekannte Muster auf: Die Rettung durch einen tapferen Helden, durch berühmte Hunde wie Lassie. Diese Stereotypen sind bereits in unserem Gedächtnis angelegt und helfen uns bei der Orientierung in einer Geschichte. Wir nutzen in unseren Merkbildern diese Effekte, damit unsere Geschichten besser erinnerbar sind; in diesen verankern wir dann die neuen Fakten.

 

Was ist besonders am Comic im Hinblick auf die Meditricks?

Unsere Merkbilder sind Gedächtnispaläste. Ein Bild umfasst dreißig bis vierzig Fakten, repräsentiert durch Figuren und Objekte, durch Assoziationen und Analogien. Die Geschichte verknüpft diese Figuren und macht es uns einfacher, die Figuren im Lernpalast wieder zu rekonstruieren. Die Darstellung als Comic durchbricht dieses Muster, da jetzt – zunächst – nicht das gesamte Bild zu sehen ist. Der Comic ähnelt damit unseren Videos: Parallel zur Erzählung bauen wir dort nach und nach das Bild auf. 

 

Der Comic liegt vielleicht sogar näher an den Merkvideos?

Er liegt sicherlich näher an den Merkvideos als unsere anderen Bücher. In den Büchern drucken wir die Figuren und Objekte parallel zum Text. Unser Comic arbeitet eher additiv, hinzufügend, so wie unsere Videos. Im Video ergänzen wir die Figuren nach und nach vor dem Bildhintergrund. Ein wichtiger Unterschied: In unserem Comic präsentieren wir die Figuren weniger streng an ihrer endgültige Position im Merkbild, dem Lernpalast. Die Videos arbeiten mehr mit der endgültigen Position. 

Warum? In unserem Comic ist die Geschichte noch viel wichtiger. Um aber keine monotone, gleichmäßige Bilderwelt zu schaffen, zeigen wir die Figuren vor unterschiedlichen Hintergründen. Das soll teils auch Emotionen unterstützen. Wir zeigen die Figuren auch vor Hintergründen oder neben Figuren, die aus anderen Meditricks stammen (bspw. der Gastauftritt vom Moor-Delfin in Episode 2, obwohl er aus dem Merkbild von Episode 4 stammt). 

Lernen mit Comics

Was unterscheidet den Comic als Lernformat von Merkbildern?

Die Merkbilder sind eine auf Lernerfolg getrimmte Lernform. Wir schenken dem Grafischen viel Aufmerksamkeit, weil uns das visuelle Ansprechen unserer Merkbilder wichtig ist, und weil wir glauben, dass es zu positiven Emotionen führt, die das Lernen angenehmer gestalten – und dadurch wieder schlussendlich effektiver. Die Geschichten der Merkbilder wiederum sind zwar teils ausgeschmückt, aber meist mit dem Lernerfolg im Hinterkopf konzipiert: Die Geschichten sollen spannend sein, ansprechend, unterhalten, einen zum Schmunzeln bringen – all das fördert die emotionale Beteiligung der Lernenden und damit auch ihre Gedächtnisleistung. 

Denken wir uns ein Spektrum: Dieses verläuft von Lerneffektivität links über zu Unterhaltungswert rechts. Auch wenn die Merkbilder durchaus Unterhaltungswert haben – sie befinden sich schlussendlich links auf unserem Spektrum. Unserer Comic wiederum legt mehr Wert auf Unterhaltung. Wir spinnen die Geschichten weiter, nicht alle Panels tragen zur Information bei, wir schaffen eine übergreifende Geschichte, ein Universum. All das dient dennoch dem Erinnern, dem Merken, dem Lernen. Aber die Geschichte um die Opioid-Helden soll auch einfach unterhalten. 

In der Opioid Saga dürfen wir den Geschichten rund um die Bilder mehr Aufmerksamkeit widmen. Das ist ein toller Prozess, eine schöne Erfahrung. Und es ist ein Experiment für die Lesenden – kaufen sie die Comics rein für die Unterhaltung, um in ein medizinisch-verankertes Superhelden-Universum einzutauchen, oder aber auch, um mal mit mehr Muße zu lernen und sich dabei mit mehr Unterhaltung ein wichtiges Kapitel Pharmakologie zu erschließen? Wir sind gespannt!

Comic versus Merkbild

Jetzt aber mal Tacheles! Was ist der Unterschied zwischen einem Comic, gebaut aus einem Merkbild und einem Merkbild?

Gehen wir nochmal ein wenig ins Detail: Unser Comic verknüpft Fakten unter Ausreizen des episodischen Gedächtnisses, d.h. er nutzt ganz bedeutet das “Gedächtnis für Geschichten”, sprich für Episoden. Wir setzen das hier in Anführungszeichen. Oft betrachtet man das Gedächtnis und wie es funktioniert doch recht reduktionistisch. Das Gedächtnis ist doch etwas komplexer. Zu einfach wäre die Zuordnung einzelner Funktionen zu einzelnen Strukturen.

Unser Comic nutzt weniger stark die räumliche Zuordnung der Fakten. Für Neuroanatomie-Begeisterte wie uns: Diese räumliche Zuordnung wird vielfach speziellen Neuronen des Hippocampus zugeschrieben. Das ist die zuvor beschriebene Lernpalast-Funktion von Merkbildern. Diese kann man sich gut als eine Art Schuhkarton vorstellen, in dem das Wissen abgelegt wird. Der Schuhkarton definiert dabei, was zu welchem Thema gehört und verhindert Überschneidungen – sprich Verwechslungen von Inhalten. Das passiert einem eher, wenn man “konventionell” lernt – und jede Seite wie die andere aussieht. Wo soll der Kopf da am Ende noch wissen, was wohin gehört? Der Schuhkarton ist auch eine ganz nette Analogie, weil viele unserer Bilder wie ein Schuhkarton angeordnet sind, d.h. Figuren finden sich im Vorder- oder Hintergrund, es gibt eine Fluchtpunktperspektive. Die genannten hippocampalen Neurone sind darauf spezialisiert, Räume zu speichern sowie Positionen im Raum. 

Unser Comic führt zu einem redundanten, d.h. wiederholten, Gebrauch der Figuren und daher zur Abnutzung von objektlichen bzw. symbolischen Gedächtnisspuren – das ist jetzt eine wissenschaftlich komplett unfundierte Behauptung. Damit wollen wir nur sagen: Unser Comic baut eine stärkere Geschichte um die Figuren auf, hat jedoch den Nachteil, dass er Figuren wiederholt in verschiedenen Kontexten zeigt, bzw. in verschiedenen Abschnitten der Geschichte. Im Merkbild kommen sie in der Regel nur einmal vor, wenn sie direkt mit einem Fakt verbunden werden. Hier ist die Bindung zwischen Figur und Fakt einzigartiger, vielleicht auch stärker. Bei Letzterem sind wir aber nicht sicher, da der Comic die Figuren wieder und wieder aufgreift und dadurch das Merken durchaus verstärken kann. Unser Comic schafft mehr emotionale Schlüsselszenen, die über das Merkbild hinausgehen. Er erweitert die Geschichte, erlaubt gleichzeitig vermehrt den Einsatz von Witz und Humor und führt letztendlich zu einer stärkeren Identifikation mit Figuren und dadurch zu einer höheren Bindung und einem höheren Erinnerungswert. All das passiert jedoch bei geringerer Fakten-Dichte – und unter Investition von mehr Zeit. Bei uns wie auch bei den Lernenden. Ein Comic wie die Opioid Saga ist sicherlich kein Konzept, das wir für unzählige Inhalte realisieren können. 

 

Kurzum: Vermutlich ist unser Comic ein Format, das an Effizienz einbüßt, er bietet aber unter Vorbehalt eines größeren Unterhaltungswerts mehr Effektivität im Lernen. Aber: Er ergänzt das Lernen auf eine andere Weise. Das ist auch ein wichtiger Punkt für Lerninteressierte: Die Abwechslung der Methoden ist wichtig. Einerseits nutzen sich die immer gleichen Lernmethoden auch etwas ab und viel wichtiger ist es, kritisch zu bleiben, welche Methode wann ihren Platz hat. Der Comic ist darin eine weitere Variation.

 

Schlussendlich ist es einfach schön, sich ausführlicher mit einem Sujet wie den Opioiden zu beschäftigen, gerade wenn die Thematik so starke Analogien bietet, wie die von Gut und Böse, Nutzen und Abhängigkeit. Eine ähnliche Herangehensweise ist auch anderen wichtigen Themen zu wünschen. Gucken wir mal!

 

Ich will mich mit Comics beschäftigen, habt ihr Empfehlungen?

Da empfehlen wir sehr das Buch “Comics richtig lesen” von Scott McCloud. Auf Englisch heißt es: “Reading Comics”. McCloud schreibt hier eine wissenschaftliche Arbeit über Comics – in Form eines Comics. Er klärt den Begriff Comic, klärt, wie die einzelnen Stilelemente im Comic funktionieren, welche Vertreter es gibt und vermittelt dabei immer eine ansteckende Begeisterung für das Medium Comic. 

Storytelling

Wo sind die Gehstöcke?

Die ursprüngliche Assoziationen waren ja die Opis, oder?

Ja, stimmt. Davon ist nicht mehr ganz so viel geblieben. Die Opioid-Helden sind aber vielfach etwas älter – daran erkennt man das Erbe dieser initialen Idee: Helden kehren aus dem Ruhestand zurück, die Opis, aber sie wollen verhindern, erneut abgesetzt zu werden. Sie sollten aber keine gebrechlichen Helden sein und so wandelte sich die Idee im Verlauf. Daraus ist jetzt eine etwas freiere Assoziation geworden – eben die Opioid-Helden für die Opioide. 

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Die Geschichten weiterspinnen

Die Geschichte ist länger als im Merkbild, was macht das aus? 

In den Merkbildern beschränken wir uns teils darauf zu sagen: Hier sehen wir das und es steht für folgenden Fakt. Wir speichern Fakten auch allein durch ihre lautbildliche (phonetische) Assoziation (Campylobacter = campender Bäcker) und durch ihre Position im Merkbild. Den Comic trägt eine Geschichte, die von Panel zu Panel führt. Atmosphärische Aspekte verstärken seine Wirkung – durch das, was Leser hinein-interpretieren. 

Wie erwähnt, sind die sieben Merkbilder der Opioid Saga nicht primär als Comic angelegt. Entsprechend ist die Geschichte der einzelnen Bilder auch nicht auf einen durchgängigen Erzählstrang optimiert. Es galt daher, die Geschichte etwas anzupassen, Geschichten um die Figuren zu spinnen, die sonst weniger erwähnt werden. In unseren Videos ist auch dies immer ein Abwägen mit Blick auf die Uhr. Die Erfahrung haben manche sicherlich schon gemacht: In die Merkbilder lässt sich auch viel an Geschichte hinein-dichten. Was passiert da zwischen diesen zwei Figuren? Beim Schreiben der Audio-Texte ist dies ein Handgriff für uns, der aber mit der Gesamtlänge des Videos konkurriert. Diese Konkurrenz war für den Comic unerheblich. 

Die Notwendigkeit, eine fortlaufende Geschichte zu entwickeln, hat aber auch ihre Tücken.

Episch vs. lächerlich

Wir erzählen hier eine Heldensage – doch in den sieben Merkbildern rund um die Opioide wimmelt es nur so von Nieren im Suff, eines der Symbole der Macht ist eine Kappe oder es gibt die Heldin mit Petition nach DIN 01. Wie soll das eine epische Sage ergeben? 

Das ist ein weiterer Kompromiss, dem wir uns beugen müssen, wenn unser Comic sowohl unterhalten als auch bilden soll. Unsere Lernmethode zwingt uns dazu, auch lächerliche Assoziationen auszuwählen. Nur so können wir lautmalerische, phonetische Assoziationen für bestimmte Fakten oder Substanznamen finden. Und lächerliche oder witzige Assoziationen unterstützen das Gedächtnis. 

 

Zwischenfrage an die nicht-medizinische Illustratorin: Fühlen sich diese Szenarien manchmal etwas komisch an?

“Hahaha I'm not gonna lie. Sometimes, yes, as I'm not familiar with the language nor the medical terms equivalent to some characters I don't understand them unless explained 😀 but I think it is a great and fun medium to explain complex topics to anyone :)”

 

Die Opioid Saga soll soweit wie möglich episch sein – bildgewaltig. Die Saga soll aber auch die gängigen Superhelden-Erzählungen auf die Schippe nehmen. So viele Klischees, das bietet viele Gelegenheiten für Späße. Wir hoffen, geneigte Leserinnen und Leser, dass der bunte Mix hier dennoch ein einheitliches Lernerlebnis ermöglicht, und gute Unterhaltung.

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Superhelden – ein Minenfeld des Copyrights

Wie erschafft man eine ganze Riege an Superhelden?

Wie zuvor genannt, gibt unsere Lerntechnik hier schon ein paar Stolpersteine vor: Welche Held heißt schon der “Busen-Prinz-Delfin” (Buprenorphin). Hier haben wir wohl selbst am meisten bei der Konzeption lachen müssen … ”der Busen-Prinz-Delfin macht dies”, “der Busen-Prinz-Delfin macht das”… Die anderen Figuren waren da etwas dankbarer. Wer kennt sich nicht, die “Hydra-am-Telefon” (Hydromorphon), kurz vor dem nächsten Einsatz nimmt sie schnell noch den Hörer ab, um sich bei ihrem Vetter zu entschuldigen, sie kommt heute später zum Abendessen vorbei… 

Kniffliger war es, mit unseren Helden keine allzu deutlichen Anspielungen auf Figuren aus dem bestehenden Repertoire an Superhelden zu erschaffen. Nicht, dass uns das nicht gefallen hätte – es wäre sicherlich auch besser zu merken, aber mit den Riesen der Unterhaltungsindustrie legt man sich lieber nicht an. 

Das Klein-Klein – Kniffe für absurde Aspekte

Im Comic gibt es oft kleine Hinweise und ausgeschriebene Geräusche…?

Die Klangwörter (bspw. Boooooom) sind ein typisches Stilelement des Comics. Die humoristischen Anmerkungen haben wir uns aber bei Aike Arndt abgeschaut – keine Ahnung, ob der es woanders abgekupfert hat; jedenfalls eine feine Sache – wir nennen ihn dafür (und nicht nur dafür) auch bei den Comic-xEmpfehlungen.

Die Bildhinweise (so nennen wir sie) bzw. scherzhaften Klangwörter ermöglichen einen humoristischen Fokus auf Aspekte, die wir nicht im Haupt-Erzählstrang unterbringen konnten oder wollten. Sie erlauben es, auf teils sehr abstrakte Aspekte der Bilder hinzuweisen und so weitere Fakten im Comic zu verankern. 

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Drehbuch im Mülleimer?

Habt ihr euch bei den Panels 1:1 an das Drehbuch gehalten?

Natürlich. Nicht. Das Drehbuch hilft, vorab schon einen Erzählstrang durch den gesamten Comic zu planen bzw. durch die einzelnen Episoden. Beim eigentlichen Layout kommt es dann aber ganz spontan zu viel Improvisation, allein weil es die finalen Grafiken erfordern oder man beim Layout dann doch einen spontanen Einfall hat, wie etwas dargestellt werden kann oder was die Interaktion der Figuren hergibt. Keine Ahnung, wie “professionelle” Comic-Schreiberlinge das machen, aber erfahrungsgemäß wird das ähnlich laufen.

Fortsetzung folgt

Würdet ihr die Geschichte gerne fortsetzen?

Die Opioid Saga besteht aus zwei Bänden und ist damit abgeschlossen. Opioide spielen bei vielen Erkrankungen eine Rolle, insofern schließen wir ein erneutes Auftreten nicht aus, auch in Form eines Comics. Viel eher stellt sich aber die Frage, ob diese Form der Vermittlung nicht auch für andere Themen interessant ist. Dazu warten wir aber ein wenig die Rückmeldung ab und schauen selbst noch einmal mit Abstand auf unser Werk. 

Inhalte

Suchtzeug! 

Wie ist es, eine Geschichte über die Opioide zu erzählen?

Ehrlich gesagt: Ziemlich faszinierend. Das liegt v.a. an den Analogien und der Geschichte, welche die Opioid Saga möglich macht. Die Substanzgruppe selbst ist ebenfalls spannend – sie hat ihre dunklen Seiten und ist andererseits unverzichtbarer Teil der Therapie bestimmter Patienten.  

Die Abhängigkeit von Opioiden ist aktuell in den USA ein großes Thema. In Deutschland scheint die Situation aktuell recht stabil, der Anteil der Opiatabhängigen bleibt konstant. Die gegenwärtige Entwicklung in den USA war auch nicht der Beweggrund, die Opioid Saga zu verfassen; sie ist jedoch ein Hinweis für Behandelnde, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. So hoffen wir auch, dass der Comic seine Leserschaft für das Thema sensibilisiert – in zwei Richtungen. Einerseits ist die richtige Indikationsstellung wichtig, sodass Opioide kritisch eingesetzt werden; andererseits ist die adäquate Dosierung in der Schmerztherapie wichtig – gerade bei Schmerz- und Tumorpatienten. Hier gibt es wiederum Vorbehalte bei Behandelnden. Diese generelle Vorsicht ist sicherlich nicht per se schlecht, aber das Wissen darum, dass Sucht nur unter bestimmten Umständen droht, ist wichtig. Sucht ist weniger relevant bei der akuten Therapie von Schmerzen oder bei Tumorpatienten. 

Eigenerfahrung

Wie steht man dann zu den Substanzen?

Paul: Im Sommer 2018 habe ich mir beim Mountainbiken die Schulter gebrochen. Das war initial komplett schmerzlos. Die erste Nacht nach der OP war die Hölle. Kurz nachdem die Regionalanästhesie abgeklungen war, setzen die wohl heftigsten Schmerzen ein, die ich je erlebt habe. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich Opioide erhielt. Zuvor hat man es noch eine Zeitlang mit höheren Dosierungen von Analgetika der WHO-Stufe I versucht. Das war eine stundenlange Pein. Die folgenden Wochen waren ähnlich. Hier war ich selbst froh, eine Woche nach OP frei von den meisten Analgetika zu sein, konnte dann aber tagelang nicht gut schlafen. Auch das war enorm quälend. Erst auf Anraten einer erfahrenen Apothekerin habe ich es dann nochmal mit einer Aufdosierung probiert, u.a. mit Opioiden, mit retardiertem Tramadol. Endlich wieder schlafen! Die Kehrseite der Medaille: Über drei Tage habe ich dann ein Elektro-Festival besucht und nicht mehr adäquat auf die Grundmaßnahmen geachtet. Okay, ja, ich hab auch etwas getrunken. Kurzum: Ich hab die Obstipationen meines Lebens bekommen. Das wünsche ich niemanden! Also sorgt bitte bei euren Patienten vor.

 

Raiza, Du bist keine Medizinerin, würdest Du nach der Illustration der Serie noch Opioide nehmen?

“Hmm, as long as it's not for recreational purposes, and with proper guidance I guess it's okay -- if you need to put the pain devils at bay.”

Allgemeine grafische Aspekte

Aquarell

Der grafische Stil der Opioide ist anders… 

Genau, die Merkbilder der Opioid Saga haben wir mit Blick auf den Comic etwas aufwändiger gestaltet. Wie soll der Comic aussehen und wirken? Zusammen mit unserer Illustratorin, mit Raiza, haben wir dann geschaut, was möglich ist. 

Der Stil sollte an Hand-illustrierte Comics erinnern, die Wasserfarben (Aquarell) nutzen. Die Illustrationen sollten schwarze Linien und Flächen betonen, um die etwas dunkle Stimmung einzufangen. 

 

Woher kommt die Inspiration?

Grafische Vorbilder bzw. Referenzen für den Comic waren Werke von Enrico Marini (Die Adler Roms, Batman) und von Juanjo Guarnido (Blacksad). Die beiden Szenaristen und Illustratoren schaffen gewaltige Bildwelten. Und das handgemalt. Das Ironische ist: Wir versuchen, mit der Opioid Saga an einen analogen Stil heranzukommen, indem wir ihn mit digitalen Techniken nachbilden. Und: Wie Raiza bemerkt, ist es nicht weniger herausfordernd. Auch im digitalen Ansatz achtet man ganz genau auf den Anpressdruck des Stiftes (digitale Zeichenbretter, Stift-Displays, sind drucksensibel); und wie man bei Gemälden verschiedene Farbschichten aufträgt, tut man dies auch in Photoshop, nur kann man die einzelnen Ebenen nachträglich bearbeiten.  

Her mit dem Dreck!

Die Bildränder wirken ausgefranst – dabei sind die digitalen Werke ja meist exakt und gerade.

Das Nicht-Perfekte macht visuell Ansprechendes oft aus. Das sind kleine Details, Abweichungen von der Symmetrie. Ähnliches ist in Bezug auf Gesichter bekannt und über ihre Wirkung auf uns. Symmetrie und Harmonie sind wichtig, aber auch die Abweichung davon. Der Comic sollte nicht aalglatt aussehen, sondern wie von Hand gemacht. Es klingt absurd, nachträglich die Kanten der Panels “unsauber” zu machen, aber genau das haben wir getan. Diese Artefakte erzeugen eine andere Wirkung beim Betrachter, sie geben dem Werk mehr Charakter. 

 

Die Sprechblasen sehen unsauber und wie handgemalt aus…

Die Sprechblasen und ihre Schweife sind handgemalt, gescannt und dann variablel wieder im Layout zusammengebaut. Es gibt wirklich ganz toll illustrierte Comics, die auf aalglatte, elliptische Sprechblasen setzen – das ist oft ein sehr harter, teils gewünschter Kontrast. Die Comicserie Blacksad arbeitet mit handgemalten Sprechblasen. Das wollten wir in der Opioid Saga auch so. Unsere Sprechblasen sind teils mit Filzstift gemalt, teils mit Pinsel – wenn man Pinsel sehr barsch über das Papier zieht, machen die Pinselfasern schöne Artefakte, die aus der Form hervorstechen. Dies gibt den Sprechblasen mehr Charakter. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Vielfalt in allen Aspekten des Comics liegt bzw. wie sehr jedes grafische Element unterschiedliche Wirkung entfalten kann, abhängig von seiner Gestaltung. Runde, glatte Sprechblasen wirken anders als unsauber, diffus endende, genauso kann man ihnen grüblerische Eigenschaften verleihen oder betrunkene. 

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Spaziergang zum Bastelladen

Gab es weitere grafische Kniffe?

Die Hintergründe für die Boxen der Texte der Erzähler sind Scans von Karten aus dem örtlichen Bastelladen. Wir haben ein paar probiert. Recyclingkarton hatte dann die schönste Struktur. Die Farben der Scans haben wir dann an die einzelnen Charaktere angepasst.

Mund auf, Mund zu

Die Gesichter der einzelnen Opioid-Helden haben vielfach mehrere Versionen?

Für die meisten Merkbilder gibt es nur eine endgültige Variante, in der Opioid Saga meist mehrere. Dadurch können die Figuren verschiedene Emotionen ausdrücken, die der Erzählung entsprechen und es gibt mehr Abwechslung in den Panels, das Ganze wird weniger starr. Beim Planen der Geschichte ergaben sich dann die verschiedenen Versionen, die wir brauchen.

Bilder der großen Meister

Am Anfang der Kapitel verwendet ihr Illustrationen von Gustave Doré und Hieronymus Bosch, warum?

Unser eigenes Bildmaterial ist auf die Merkbilder beschränkt. Wir können die Hintergründe variieren und haben die Bilddaten so geplant, dass es teils mehrere Varianten der Figuren gibt. Das war es aber schon. So entstand die Idee, unser eigenes Bildmaterial durch weiteres zu ergänzen, dass v.a. emotional in die Geschichten einführen soll. Die Bilder von Hieronymus Bosch waren uns schon bekannt, sie vermitteln ein Hölle-auf-Erden-Gefühl. Sie sind somit gut geeignet, die Gefühlswelten von Schmerz, Sucht und Entzug zu vermitteln. Paul Gustave Doré wiederum ist einer dieser Zufälle, der bei der Bildrecherche entstand. Initial ging es um Bildbeispiele für die Schmerzteufel und ihre Schatten. Dorés Bilderwelten sind absolut episch. Der Mann hat unzählige Werke fabriziert, mit starker, emotionaler Ausstrahlung. Seine Werke dienen daher als Einleitung in die Stimmung der meisten Episoden. Mit Doré setzen wir uns ins Band 2 noch etwas mehr auseinander. Der Künstler verdient einfach Anerkennung.

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Zeichnung

Das unsichtbare Gesicht

Was ist der Unterschied zwischen den Zeichnungen und den Illustrationen?

Wie die meisten unserer Merkbilder basieren die Merkbilder der Opioid Saga auf Zeichnungen. Die sieben Episoden sowie die Synopsis entstammen der Feder von Giulio. Seine Zeichnungen definieren die Charaktere der Opioid Saga. Vorher stehen grobe Entwürfe auf dem Papier. Aber wie eine Figur letztendlich wirkt und aussieht, das ist Giulios Werk. 

Die Zeichnungen hinter den Meditricks sind den meisten vermutlich nicht bekannt – hier im Comic sind sie auf Seite 48 gedruckt. Sie haben ihren ganz eigenen Charme und zeigen, mit Bleistift angefertigt, ganz andere Nuancen, die teils in Illustrationen, zwangsläufig, untergehen. 

Relativ frei, aber nicht absolut. 

Wie streng sind die Vorgaben für die Zeichnungen?

Welche Objekte im Merkbild erscheinen – das geben wir bis auf die Szenerie und den Hintergrund vor. Schließlich transportieren die Objekte die Fakten. Wie genau diese Charaktere oder Objekte dann aber aussehen, das ist Giulio überlassen. Dazu kann er aber mehr sagen:

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Interview mit Giulio

Was war für Dich die größte Herausforderung?

Giulio: Wie so oft bei der Arbeit für Meditricks: Am schwierigsten ist die Aufteilung des Raumes auf dem Blatt unter Einhaltung des 16:9 Rahmens. Wo platziere ich was, wie groß darf ich die Figuren zeichnen, damit man sie und ihre kleinen Details erkennt, ihre Handlungen und Körperstellungen flüssig und dynamisch rüberkommen, zwischen ihnen noch genug Leerraum ist für das Auge des Betrachters zu ruhen, und dies alles noch am besten so, dass es ästhetisch stimmig und anspruchsvoll wird? 

Sehr knifflig. Beim Anfertigen des ersten Layouts sieht das Blatt wie ein Schlachtfeld aus: überall sich überschneidende Linien, manche kräftig, manche bleich, manche munter zackig, manche mild geschwungen; dazwischen Andeutungen von Köpfen, Torsos und Gliedmaßen, ein Auge hier, ein Mund da … da braucht man manchmal sehr viel Geduld, um die Übersicht und die Fassung nicht zu verlieren und die lange Arbeit des Saubermachens und des Herausarbeitens der kleinen Figürchen anzufangen und zu Ende zu bringen.

Besonders bei der Opioid Saga war auch das wiederholte Zeichnen derselben Charaktere kompliziert, da sie oft detailvolle Rüstungen oder Kleidung haben; diese wieder ganz gleich darzustellen, ist auch eine Kunst für sich.

 

Welche Charaktere haben Dir am meisten gefallen?

Giulio: Über kurz oder lang gewinne ich eigentlich jeden Charakter lieb, wie kann man etwas nicht mögen, was man selbst erschaffen hat? 

Am meisten habe ich es jedoch genossen, die Narkotika-Krokodile zu zeichnen, da Krokodile eben seit immer meine Lieblingstiere sind. Und man findet so selten Gelegenheit, eins zu zeichnen: Meist hat man doch immer Hunde, Katzen, Pferde und Vögel, da ist so ein fettes böses Nil-Krokodil eine sehr willkommene Abwechslung. 

Ganz besonders gut fand ich das Charakter-Design der Opioidrezeptoren (Mückenheld, Kappenheldin, Deltaheld): Das war sehr klar gedacht und formuliert, übersichtlich und lustig. Es war schön zu sehen, wie einfach die Figuren mehr oder weniger beim Lesen direkt von der Hand entstanden sind, das ist ein gutes Gefühl.

 

Woher kommt die Inspiration für Deine Figuren?

Giulio: In erster Linie aus den erlesenen und sehr passenden Bildvorlagen, die das Ideengeber- und Review-Team mit in die Bildbeschreibungen packt, damit wir Zeichner gleich beim ersten Durchlesen eine Ahnung davon bekommen, was gemeint ist.

Zusätzlich sieht ein Zeichner, glaube ich, die Welt mit etwas anderen Augen an: Immer wenn der was betrachtet, versucht er sich die Linien und Formen davon einzuprägen; und alles landet in so einer Art „Bilderspeicher“ in seinem Kopf. Bei Bedarf kann er da rumkramen und schauen, ob sich nicht was zu der Bildvorlage Passendes findet. 

Was man dann genau in dieses gedankliche Bildreservoir vor allem speichert, hängt vom eigenen Geschmack ab: Bei mir sind es natürlich sehr viele anatomische und tieranatomische Details, Kostüme und Objekte aus unterschiedlichen geschichtlichen Epochen (mit besonderer Vorliebe für das Altertum und das Mittelalter), Covers von Musikalben, Superhelden-Comics, Gemälde der großen Maler der Renaissance und der Romantik und vieles, vieles mehr.

Ich lese dann eine Figurenbeschreibung durch, schließe die Augen und versuche diese vor einem „inneren Auge“ zu sehen; wie sieht sie aus? Was hat sie an? Welche Gesichtszüge hat sie, welchen Gesichtsausdruck? Am Ende braucht man nur eine schnelle Sortierung sich vorzunehmen und die nun gedanklich klar umrissene Figur genauso klar aufs Papier zu bringen. 

 

Hörst Du Musik oder Podcasts beim Zeichnen und wenn ja, was hast Du bei der Opioid Saga gehört?

Giulio: Ja, ich höre ständig Musik beim Zeichnen. Sehr viel Unterschiedliches, da, wenn man stundenlang am Tisch sitzt, man sich schon eine Abwechslung ab und zu wünscht! Zu Beginn der Arbeit, beim Morgenkaffee, höre ich gern Reggae oder Klassik (da ist Bach sehr empfehlenswert) für einen sanften entspannten Einstieg in die Arbeit. Dann wandere ich langsam über Psychedelisches/Stoner Rock zu Metal in all seinen Formen, mit besonderer Vorliebe für Black und Death Metal; das motiviert mich und gleichzeitig finde ich es entspannend und stimulierend für die Arbeit. Und manchmal ergibt es sich, dass ich mir für besondere Zeichnungen auch eine besondere Musik aussuche, um mich in die Atmosphäre des Bildes einzulassen, so habe ich zum Beispiel beim Zeichnen des Meter-Dons und Levo-Meter-Dons den Soundtrack von „Der Pate“ in Endlosschleife gehört und beim Zeichnen der großen Kampfszene (Synopsis) um die Heroine einige Alben von Cannibal Corpse genossen.

 

Und die anderen?

Raiza: I'm not really a music person, though sometimes I do listen to some Ghibli OST*. It helps with drawing epic scenes:) But usually, I just listen to some audiobooks or some random tv series/movies on netflix for some background noise. [*Studio Ghibli ist, Zitat Wikipedia, ein japanisches Zeichentrickfilmstudio. Bekannte Anime-Produktionen des Studios sind zum Beispiel Mein Nachbar Totoro, Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland und Das wandelnde Schloss.]

Paul: Beim Malen der Sprechblasen und Konzipieren v.a. King Krule a.k.a. DJ JD Sports a.k.a. Archy Marshall. Beim Layout dann vornehmlich Downtempo (lieben Dank an Justas an dieser Stelle) oder Podcasts wie “Alles Gesagt” der Zeit. 

Synopsis – ein Werk über das Werk

Was ist die Synopsis?

Die Idee für die Synopsis (auch: Zusammenfassung) entstand ebenfalls mitten im Prozess. Sie sollte ein zweiseitiges Bild sein, das eine Übersicht über die gesamte Opioid Saga gibt, über ihre verschiedenen Aspekte und den Charakter Heroine einführt. Heroine symbolisiert das schlimmste Szenario der Helden: Wenn eine Gute gänzlich zur dunklen Seite überläuft. In der Synopsis sollten nochmal alle Aspekte aus den Saga abgebildet sein, vor allem emotional: Die Helden, ihr Kampf gegen die Schmerzteufel, ihre Schattenseite und den Retter, Hund Nalo.

Zwei Kunstschaffende

Wie ist die Zusammenarbeit von Zeichner und Illustratorin?

Raiza bemerkt, dass ihr vor allem Giulios Charaktere gefallen, wie er ihnen eine Persönlichkeit verleiht. Raiza: “I always learn to draw anatomy through his sketches.” (Giulio ist Arzt und arbeitet u.a. für das Institut für Anatomie der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane).

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Den Stil finden

Wie seid habt ihr euren Stil gefunden?

Das ging ehrlich gesagt recht flott. Dank Raiza. Wir haben einen komplexen, iterativen, zirkulären Prozess durchlaufen. Was bedeutet: Wir haben ihr gesagt, es soll wie Marini aussehen. Dann hat sie eine Probe geschickt. Wir haben noch ein paar Vorbehalte bezüglich Feinstruktur geäußert. Sie hat eine zweite Version geliefert. Und dann sah es fast wie Marini aus. Hier ist nochmal Zeit für ein großes: Chapeau! Raiza hat richtig heftig nachgelegt und nochmal ihr ganzes Gespür und Können demonstriert. Ihre Pinsel für Photoshop hat sie selber entwickelt. Sie schaffen diese tollen Effekte, die aussehen, als würde die Farbe verlaufen, als würde Licht reflektiert – es ist herrlich.

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Feinstes Gewebe

Was bedeutet Feinstruktur?

Bei Wasserfarben trifft nie die gleiche Menge das Blatt und so kommt es schnell zu variablen Texturen. Das Blatt selbst hat eine Struktur, die nicht überall gleichmäßig die Farbe aufnimmt und das Papier gibt der Farbfläche ebenfalls eine Textur, ein unregelmäßiges Muster. All das gibt Feinstruktur oder Gewebestruktur. Für das Auge gibt es dabei viele kleine Nuancen zu entdecken, wie auch bei Textilien oder Wänden. Das ist viel ansprechender als gleichmäßig ausgefüllte Flächen. Das wollten wir.

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Layout

Wie werden die einzelnen Seiten mit ihren Panels konstruiert?

Das ist super viel Improvisation. Einerseits soll ein stimmiges Gesamtbild entstehen, andererseits sollen einen die einzelnen Panels packen, die Stimmung transportieren. Auch die Gliederung der Themen gibt einiges vor (Substanz A, Substanz B; Indikationen, Nebenwirkungen, …). Man nähert sich dem endgültigen Layout nach und nach an, indem man die Bilder ausschnittsweise platziert. Dabei ergeben sich dann oft spontane Einfälle für das Gesamtlayout. Beispielsweise ist es für den Lesefluss eleganter, wenn der Blick oder die Haltung einer Figur bereits in Richtung des nächsten Panels weist. Spannungsmomente, wie wenn die Teufel zerquetscht werden, lassen sich dadurch unterstützen, dass auch das Bild den Panel-Rahmen verlässt.  

 

Wie lange dauert das dann pro Seite?

Vielleicht so drei Stunden pro Einzelseite? Man muss immer wieder auswählen, welche Elemente aus der Hauptdatei gezeigt werden. Daraus berechnet das Programm dann eine Vorschau mit weniger guter Auflösung. Um das finale Ergebnis zu beurteilen, rendert man schließlich eine richtige Grafik, das dauert noch länger. Die Arbeit ist immer wieder mit kleinen Pausen verbunden, mit ein wenig Warten und Geduld. 

 

Die Fakten stehen jetzt getrennt auf der Seite und werden durch Nummern referenziert…

Das war anfangs noch ein kleines Rätsel: Wohin mit den Fakten? Dürfen sie den Comicstil durchbrechen? Sollten sie auf einer getrennten Seite stehen? Nur Stichpunkte oder ganze Sätze? Aber schlussendlich soll der Comic auch fortbilden, weshalb dann schon klar war, dass es doch eher die ausführliche Variante wird und wir die ganzen Informationen drucken, parallel zu den Panels.

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Abschluss

Was wünscht ihr euch für den Comic?

Man sollte ihn mindestens zweimal lesen! Und langsam. Auf den Bildern verweilen, die ganzen Details und Nuancen genießen.

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